Michel 2001 on PP-1683 (full-text excerpt)
S. Michel, Bunte Steine – Dunkle Bilder. Magische Gemmen /München, 2001/, 54, no. 49.
 
Staatliche Museen Kassel, ehem. Slg. Capello
(Pinder II 5. Völkel XI 31. AGD III Kassel Nr. 212)
 
1,53 x 1,22 x 0,37
2./3. Jh. n. Chr.
 
Nicolo, Bildseite matt, sonst poliert, beiderseits flach, Rand nach vorn, breite, basisähnliche Kante nach hinten abgeschrägt. Ein Stück abgebrochen. Ringstein.
 
Vorderseite
Hochoval. Helios mit Strahlenkrone und vom Arm herabhängender Chlamys auf einer kurzen Grundlinie stehend. Die rechte Hand ist zum Gruß erhoben, in der Linken eine Peitsche. Unten zu beiden Seiten des Sonnengottes je ein Stern.
 
Rückseite
Hochoval. Inschrift in sechs Reihen, beginnend mit drei →Charakteres in der ersten Zeile und lateinischen Buchstaben (S, R)
EICYYC
XRECTYS
ΓABRIE
ANANIΛ
ΛME
»Jesus Christus Gabriel Ananiel Amen«
Die Inschrift dürfte später hinzugefügt worden sein und zeigt, daß das Motiv hier in christlichem Sinne und die erhobene Hand des Sonnengottes als Segnungsgeste verstanden worden ist.
Christliche Elemente lassen sich auf antiken magischen Gemmen häufiger, z. B. auch in Verbindung mit dem schlangenbeinigen Abraxas finden. Derartige Kombinationen sind einerseits damit zu erklären, daß sich auch Christen der – offiziell verdammten – heidnischen Magie bedienten, andererseits christliche Elemente ebenso wie jüdische und ägyptische in gnostischen Systemen verschmolzen waren.
 
Publikation
Capello Abb. 155; Montfaucon II 2 Taf. 167, 2. 3; Zazoff (1965) 99f. Abb. 16, 54; AGD III Kassel 253 Taf. 117, 212; Michel, Studie 22.2.a.

Literatur
Zum Motiv: hier zu 46 /PP-1616/. 48 /PP-1682/. – Zu Magie und Christentum: Bonner, Jonah 31ff. zu Abb. 2.3; R. Merkelbach, Astrologie, Mechanik, Alchimie und Magie im griechisch-römischen Ägypten, in: Begegnung von Heidentum und Christentum im spätantiken Ägypten, Riggisberger Berichte (1993) 57; Michel, BritMus 138 zu Nr. 224 /PP-622/, 153f. zu Nr. 249 /PP-647/ (Helios-Christus).

Vergleiche
Zum Motiv: hier 48 /PP-1682/ (Vgl.). – Zu Helios-Christus: Karneol Michel, BritMus 153f. Taf. 36, 249 /PP-647/ (Vgl.).

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